CBAM erklaert: Der CO2-Grenzausgleich der EU
Was steckt hinter dem CO2-Grenzausgleich?
Stellen Sie sich vor, ein deutsches Stahlwerk investiert Millionen in klimafreundliche Produktion — und wird dann von billigem Importstahl aus Laendern ohne CO2-Preis unterboten. Genau dieses Problem adressiert der CBAM, der Carbon Border Adjustment Mechanism.Die Idee ist im Kern simpel: Wer Waren mit hohem CO2-Fussabdruck in die EU importiert, soll dafuer zahlen — genauso wie europaeische Produzenten im EU-Emissionshandel. Klingt fair, oder? Die Umsetzung ist allerdings alles andere als trivial.
Warum braucht die EU den CBAM?
Das europaeische Emissionshandelssystem (EU ETS) existiert seit 2005. Europaeische Hersteller von Stahl, Zement oder Aluminium muessen fuer jede Tonne CO2 Zertifikate kaufen. Der CBAM-Zertifikatspreis — der dem gewichteten Durchschnitt der EU-ETS-Auktionspreise entspricht — lag 2026 bisher bei 75,36 EUR/tCO2 (Q1), 75,28 EUR/tCO2 (Q2) und 82,32 EUR/tCO2 (Q3). Das verteuert die Produktion erheblich.Das Problem dabei: In China, Indien oder der Tuerkei gibt es keinen vergleichbaren CO2-Preis. Importeure koennen dort deutlich billiger einkaufen. Die Folge nennt sich Carbon Leakage — Produktion wandert in Laender mit laxeren Klimavorgaben ab. Die globalen Emissionen sinken nicht, sie verschieben sich nur geografisch.
Bisher hat die EU das mit kostenlosen Zertifikaten kompensiert. Europaeische Hersteller bekamen einen Teil ihrer ETS-Zertifikate gratis. Aber diese Gratiszuteilung wird schrittweise abgebaut — und der CBAM ersetzt sie durch einen echten Grenzausgleich.
Wie funktioniert der CBAM konkret?
Der Mechanismus besteht aus drei Kernkomponenten, die ineinandergreifen:1. Registrierung als CBAM-Anmelder
Jeder Importeur, der CBAM-Waren oberhalb der De-minimis-Schwelle in die EU einfuehrt, muss sich bei der zustaendigen nationalen Behoerde registrieren. In Deutschland ist das die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) beim Umweltbundesamt. Ohne Registrierung darf ab 2026 schlichtweg nicht mehr importiert werden.Der Registrierungsprozess umfasst die Pruefung der wirtschaftlichen Zuverlaessigkeit, die Benennung eines Verantwortlichen und die Einrichtung eines Kontos im CBAM-Register. Erfahrungsgemaess dauert die Registrierung vier bis acht Wochen — also besser fruehzeitig kuemmern.
2. Ermittlung der eingebetteten Emissionen
Fuer jede Lieferung muessen die sogenannten eingebetteten Emissionen berechnet werden — also wie viel CO2 bei der Herstellung des Produkts ausgestossen wurde. Das umfasst:- Direkte Emissionen: CO2 aus dem Produktionsprozess selbst (Hochofen, Brennofen etc.)
- Indirekte Emissionen: CO2 aus der Stromerzeugung fuer die Produktion (besonders relevant bei Aluminium)
3. Kauf und Abgabe von CBAM-Zertifikaten
Basierend auf den eingebetteten Emissionen muss der Importeur CBAM-Zertifikate kaufen. Fuer 2026 veroeffentlicht die Europaeische Kommission den Zertifikatspreis vierteljaehrlich (ab 2027 woechentlich). Wurde im Herkunftsland bereits ein CO2-Preis gezahlt, wird dieser angerechnet.Wer ist von der De-minimis-Schwelle befreit?
Seit der Verordnung (EU) 2025/2083 (Omnibus-Paket, in Kraft seit Oktober 2025) sind Importeure vollstaendig von allen CBAM-Pflichten befreit, die pro Kalenderjahr kumuliert hoechstens 50 Tonnen Nettomasse aus den Sektoren Eisen und Stahl, Aluminium, Zement und Duengemittel einfuehren. Massgeblich ist die Jahresmenge je Importeur, nicht der Warenwert einer einzelnen Sendung. Fuer Strom und Wasserstoff gilt diese Ausnahme nicht.Welche Waren sind betroffen?
Der CBAM gilt zunaechst fuer sechs Warengruppen:| Warengruppe | Beispiele | Warum gerade diese? |
|---|---|---|
| Eisen und Stahl | Rohstahl, Stahlrohre, Schrauben | Hoechste Importmengen, hohes Carbon Leakage-Risiko |
| Aluminium | Rohaluminium, Aluprofile | Sehr stromintensiv, indirekte Emissionen relevant |
| Zement | Portlandzement, Klinker | Prozessbedingt hohe CO2-Emissionen |
| Duengemittel | Harnstoff, Ammoniumnitrat | Energieintensive Herstellung |
| Strom | Importierter Strom | Direkt vom Energiemix abhaengig |
| Wasserstoff | Grauer und blauer Wasserstoff | Zukunftsrelevant, hohe Emissionsunterschiede |
Der Zeitplan: Was gilt wann?
Der CBAM wird schrittweise eingefuehrt — bewusst, um Unternehmen Anpassungszeit zu geben:- Oktober 2023 bis Dezember 2025: Uebergangsphase. Nur Berichtspflicht, keine Zertifikatspflicht.
- Januar 2026: Start der definitiven Phase. CBAM-Zertifikate muessen gekauft werden (Verkaufsstart der Zertifikate: 1. Februar 2027).
- 2026 bis 2034: Jedes Jahr weniger kostenlose ETS-Zertifikate. Der CBAM deckt den wegfallenden Anteil ab.
- Ab 2034: Vollstaendige Anwendung. Keine kostenlosen ETS-Zertifikate mehr.
Was bedeutet das fuer deutsche Unternehmen?
Stahlimporteure stehen vor den groessten Herausforderungen. Wie hoch die CBAM-Kosten konkret ausfallen, haengt stark von der Produktionsroute des Herstellers ab (Hochofen/BOF, DRI/EAF oder Schrott/EAF haben sehr unterschiedliche Benchmarks). Der CBAM-Kostenrechner liefert eine Schaetzung fuer den eigenen Fall, statt mit einer pauschalen Euro-Spanne zu rechnen. Maschinenbauer sind indirekt betroffen — sie verbauen importierten Stahl und Aluminium. Die Kostenweitergabe haengt von der Wettbewerbssituation ab.Die Bauwirtschaft spuert den Effekt ueber Zement- und Stahlpreise. Bei Grossprojekten summieren sich die Mehrkosten.
Aus meiner Erfahrung unterschaetzen viele Unternehmen den administrativen Aufwand. Die Datenerhebung in der Lieferkette ist oft komplizierter als die eigentliche Kostenfrage.
Naechste Schritte fuer Importeure
- Pruefen Sie, ob Sie unter der De-minimis-Schwelle (< 50 t Nettomasse/Jahr) liegen und befreit sind
- Pruefen Sie anhand der KN-Codes, ob Ihre Importe betroffen sind
- Registrieren Sie sich als zugelassener CBAM-Anmelder
- Kontaktieren Sie Ihre Lieferanten wegen der Emissionsdaten
- Informieren Sie sich ueber die Berichtspflichten und Fristen
- Evaluieren Sie eine geeignete CBAM-Software
Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der CBAM einfach erklaert?
Der CBAM ist ein CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU. Importeure muessen fuer die CO2-Emissionen, die bei der Herstellung importierter Waren entstanden sind, Zertifikate kaufen — genauso wie EU-Produzenten im Emissionshandel.
Ab wann gilt der CBAM?
Die Uebergangsphase mit reiner Berichtspflicht lief von Oktober 2023 bis Dezember 2025. Seit Januar 2026 gilt die Definitivphase; der Zertifikatskauf startet am 1. Februar 2027. Die vollstaendige Anwendung ohne kostenlose ETS-Zertifikate greift ab 2034.
Welche Waren fallen unter den CBAM?
Aktuell sechs Warengruppen: Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Duengemittel, Strom und Wasserstoff. Die EU prueft eine Ausweitung auf weitere Produkte.
Gibt es eine Freigrenze fuer kleine Importeure?
Ja. Seit der Verordnung (EU) 2025/2083 sind Importeure befreit, die pro Jahr kumuliert hoechstens 50 Tonnen Nettomasse aus Eisen/Stahl, Aluminium, Zement und Duengemittel einfuehren. Strom und Wasserstoff sind von dieser Ausnahme ausgeschlossen.
Wie hoch ist der CBAM-Zertifikatspreis aktuell?
Fuer 2026 veroeffentlicht die Europaeische Kommission den Preis vierteljaehrlich: 75,36 EUR/tCO2 (Q1), 75,28 EUR/tCO2 (Q2), 82,32 EUR/tCO2 (Q3). Quelle: taxation-customs.ec.europa.eu. Ab 2027 erfolgt die Veroeffentlichung woechentlich.