Grundlagen

CBAM-Übergangsphase 2023–2025: Pflichten & Fristen

Veröffentlicht: 2026-03-27 Lesezeit: 8 Min.
CBAM-Übergangsphase 2023–2025: Pflichten & Fristen

Seit dem 1. Oktober 2023 gilt die Übergangsphase des Carbon Border Adjustment Mechanism – kurz CBAM. Für viele Unternehmen war das der Startschuss für eine völlig neue Dimension der Importdokumentation. Wer Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel, Wasserstoff oder Strom aus Drittstaaten in die EU einführt, muss seitdem quartalsweise Berichte einreichen. Doch was genau verlangt die EU, welche Fehler passieren am häufigsten, und wie bereiten sich Unternehmen auf die endgültige Phase ab 2026 vor?

Was ist die CBAM-Übergangsphase?

Die CBAM-Übergangsphase (englisch: transitional period) erstreckt sich vom 1. Oktober 2023 bis zum 31. Dezember 2025. Während dieser Zeit müssen Importeure zwar Berichte über die in ihren importierten Waren enthaltenen Emissionen abgeben, es fallen aber noch keine finanziellen Verpflichtungen an – also keine CBAM-Zertifikate und keine CO₂-Zahlungen.

Der Sinn dahinter: Die EU wollte Unternehmen, nationalen Behörden und Drittstaaten-Produzenten Zeit geben, sich auf das neue System einzustellen. Gleichzeitig sammelt die Europäische Kommission Daten, um die endgültigen Berechnungsmethoden zu verfeinern.

Rechtsgrundlage

Die rechtliche Basis bildet die Verordnung (EU) 2023/956 vom 10. Mai 2023, ergänzt durch die Durchführungsverordnung (EU) 2023/1773, die Details zur Berichterstattung regelt. Zuständige Behörde in Deutschland ist die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) beim Umweltbundesamt.

Welche Waren sind betroffen?

Während der Übergangsphase umfasst CBAM folgende Warengruppen:

Die genaue Zuordnung erfolgt über KN-Codes (Kombinierte Nomenklatur). Importeure müssen prüfen, ob ihre Zolltarifnummern in den Anhängen der Verordnung aufgeführt sind. In der Praxis sorgt das regelmäßig für Unsicherheit, besonders bei verarbeiteten Produkten.

Berichtspflichten im Detail

Das Kernstück der Übergangsphase sind die quartalsweisen CBAM-Berichte. Jeder Importeur, der CBAM-relevante Waren in die EU einführt, muss innerhalb eines Monats nach Quartalsende einen Bericht im CBAM-Übergangsregister der EU-Kommission einreichen.

Was muss der Bericht enthalten?

InformationDetails
Importierte WarenmengeIn Tonnen, aufgeschlüsselt nach KN-Code
HerkunftslandProduktionsland der Ware
ProduktionsanlageName, Standort und ggf. UN/LOCODE
Direkte EmissionenTatsächliche CO₂-Emissionen der Produktion (in t CO₂/t Ware)
Indirekte EmissionenEmissionen aus dem Stromverbrauch bei der Produktion
CO₂-Preis im HerkunftslandBereits gezahlte CO₂-Abgaben oder Emissionshandelspreise

Fristen der Übergangsphase

Die Berichtsfristen sind klar definiert:

Standardwerte vs. tatsächliche Emissionen

Ein Punkt, der in der Praxis häufig Verwirrung stiftet: Während der Übergangsphase dürfen Importeure unter bestimmten Bedingungen Standardwerte (Default Values) verwenden, wenn sie keine tatsächlichen Emissionsdaten vom Produzenten erhalten.

Die EU-Kommission hat solche Standardwerte für verschiedene Warengruppen veröffentlicht. Sie basieren auf Durchschnittswerten der jeweiligen Produktionsregion. Auch in der Regelphase ab 2026 bleiben Standardwerte zulässig — die Kommission hat sie in der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2621 festgelegt. Sie sind aber meist ungünstiger als gute tatsächliche Werte, und wer Standardwerte nutzt, kann einen im Drittland gezahlten CO₂-Preis nur über jährliche Standard-CO₂-Preise anrechnen.

Praxistipp: Lieferantenkommunikation frühzeitig aufbauen

Viele Importeure haben das Problem, dass ihre Lieferanten in Drittstaaten – etwa in der Türkei, China oder Indien – die benötigten Emissionsdaten schlicht nicht liefern können oder wollen. Wer jetzt schon aktiv den Dialog sucht und Fragebögen verschickt, spart sich erheblichen Stress ab 2026.

Ein bewährter Ansatz: Versenden Sie den EU-Standardfragebogen, den die Kommission zur Verfügung stellt. Er enthält alle relevanten Felder und ist in mehrere Sprachen übersetzt. So nehmen Sie Ihren Zulieferern die Angst vor einem komplexen bürokratischen Prozess.

Das CBAM-Übergangsregister

Alle Berichte werden über das CBAM Transitional Registry eingereicht – eine Online-Plattform der EU-Kommission. Zugang erhalten Importeure über das EU Trader Portal nach Registrierung und Verifizierung durch die nationale Behörde.

In Deutschland erfolgt die Registrierung über die DEHSt. Der Prozess erfordert:

Seit dem Ende der Übergangsphase ist für neue Einführer nicht mehr das Übergangsregister maßgeblich, sondern die Zulassung als CBAM-Anmelder im CBAM-Register — erforderlich für Strom, Wasserstoff oder mehr als 50 Tonnen anderer CBAM-Waren pro Jahr.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Nach über zwei Jahren Übergangsphase haben sich bestimmte Fehler herauskristallisiert, die Importeure immer wieder machen:

1. Falsche KN-Code-Zuordnung

Manche Unternehmen ordnen ihre Waren den falschen Zolltarifnummern zu. Das führt entweder zu unnötigen Berichten oder – schlimmer – dazu, dass berichtspflichtige Importe übersehen werden. Lassen Sie Ihre Zollabteilung die KN-Codes mit der CBAM-Warenliste abgleichen.

2. Keine Emissionsdaten vom Lieferanten

Wie erwähnt, ist das eines der größten praktischen Probleme. Standardwerte sind ein Übergangs-Workaround, aber kein Dauerzustand. Bauen Sie jetzt Prozesse auf, um tatsächliche Daten zu erfassen.

3. Verspätete Berichterstattung

Zertifikate mussten in der Übergangsphase nicht gekauft werden — sanktionsfrei war sie trotzdem nicht: Ein fehlender, unvollständiger oder falscher Bericht, der nicht fristgerecht korrigiert wird, kann mit 10 bis 50 Euro pro Tonne nicht gemeldeter Emissionen geahndet werden (Details im Abschnitt zu den Sanktionen).

4. Indirekte Emissionen vergessen

Viele Importeure berichten nur über direkte Emissionen und vergessen die indirekten Emissionen (Stromverbrauch in der Produktion). Für bestimmte Warengruppen wie Aluminium ist das ein erheblicher Anteil.

Sanktionen in der Übergangsphase

Rechtsgrundlage sind Artikel 35 der CBAM-Verordnung (EU) 2023/956 und Artikel 16 der Durchführungsverordnung (EU) 2023/1773. Sanktioniert werden kann, wenn ein Bericht:

Der Rahmen liegt bei 10 bis 50 Euro pro Tonne nicht gemeldeter Emissionen, angepasst an den europäischen Verbraucherpreisindex; in besonders schweren Fällen, etwa bei wiederholten Fehlern oder Verzögerungen von mehr als sechs Monaten, sind höhere Sanktionen möglich. Laut DEHSt werden solche Sanktionen grundsätzlich nicht ohne vorheriges Berichtigungsverfahren verhängt. Und für Deutschland gilt: Die verspätete Bereitstellung der Registrierung führte für berichtspflichtige Anmelder nicht zu Sanktionen.

Für die Regelphase ab 2026 gelten andere Sanktionen — vor allem für fehlende Zertifikate. Mehr dazu unter CBAM-Strafen und Bußgelder.

Von der Übergangsphase zur Vollimplementierung

Ab dem 1. Januar 2026 beginnt die endgültige Phase des CBAM. Die wesentlichen Änderungen im Vergleich zur Übergangsphase:

AspektÜbergangsphase (2023–2025)Vollphase (ab 2026)
BerichtspflichtQuartalsweise BerichteJährliche Erklärung bis 30. September (erstmals 2027 für 2026)
Finanzielle VerpflichtungKeineKauf von CBAM-Zertifikaten (Verkauf ab 1. Februar 2027, rückwirkend für 2026)
EmissionsdatenStandardwerte erlaubtTatsächliche (verifizierte) Werte oder Standardwerte der Kommission
PrüfungStichprobenartigSystematische Verifizierung durch akkreditierte Prüfer
ZertifikatepreisNicht relevant2026: Quartalsdurchschnitt der EU-ETS-Auktionen; ab 2027: Wochendurchschnitt
Kostenlose ZuteilungenNicht relevantSchrittweise Reduzierung bis 2034

Was Importeure jetzt tun sollten

Die Übergangsphase ist vorbei, die Zertifikate für 2026 werden erst 2027 gekauft. Diese Lücke ist die Chance, um:

  1. Datenerfassung automatisieren – Emissionsdaten per Software statt manuell über Excel erfassen
  2. Lieferantenbeziehungen stärken – Verbindliche Vereinbarungen zur Datenlieferung treffen
  3. Interne Prozesse definieren – Wer ist CBAM-Verantwortlicher? Welche Abteilung liefert welche Daten?
  4. Software evaluieren – Spezialisierte CBAM-Tools können den Aufwand erheblich reduzieren
  5. Budgetplanung starten – Die Kosten für die CBAM-Zertifikate des Jahres 2026 einkalkulieren, z. B. mit unserem CBAM-Kostenrechner

Auswirkungen auf verschiedene Branchen

Stahl- und Metallindustrie

Für Stahlimporteure hat die Übergangsphase bereits erheblichen administrativen Aufwand bedeutet. Besonders betroffen sind Händler mit vielen verschiedenen Lieferanten in unterschiedlichen Ländern.

Bauwirtschaft

Zement- und Aluminiumimporte betreffen die Bauwirtschaft direkt. Viele Bauunternehmen haben die CBAM-Thematik erst spät auf dem Radar gehabt, da sie sich nicht als typische Importeure sehen. Doch wer Baumaterial direkt aus Nicht-EU-Staaten bezieht, fällt unter die Berichtspflicht.

Chemie und Düngemittel

Die Düngemittelbranche steht vor besonderen Herausforderungen, da die Emissionsintensität der Produktion je nach Herkunftsland extrem unterschiedlich ist. Russisches Ammoniumnitrat hat beispielsweise einen deutlich höheren CO₂-Fußabdruck als marokkanisches – diese Unterschiede werden ab 2026 direkt den Preis beeinflussen.

Internationale Reaktionen und Handelspolitik

Die CBAM-Übergangsphase hat auch international für Diskussionen gesorgt. Wichtige Handelspartner wie China, Indien und die Türkei haben Bedenken geäußert, dass CBAM als protektionistisches Instrument missbraucht werden könnte. Die EU betont dagegen, dass es sich um eine Klimaschutzmaßnahme handelt, die mit WTO-Regeln vereinbar sei.

Einige Drittstaaten haben begonnen, eigene CO₂-Bepreisungssysteme einzuführen oder bestehende zu verschärfen – teils explizit als Reaktion auf CBAM. Das ist durchaus im Sinne der EU, denn gezahlte CO₂-Preise im Herkunftsland werden beim CBAM-Zertifikatekauf angerechnet.

Praktische Checkliste für die verbleibende Übergangszeit

Nutzen Sie die folgende Checkliste, um sicherzustellen, dass Ihr Unternehmen optimal vorbereitet ist:

  1. CBAM-Übergangsregister: Zugang vorhanden und funktionsfähig?
  2. KN-Codes aller importierten Waren geprüft und mit CBAM-Liste abgeglichen?
  3. Lieferantenkontakt hergestellt und Emissionsdaten angefordert?
  4. Interne Verantwortlichkeiten klar definiert?
  5. Alle bisherigen Quartalsberichte fristgerecht eingereicht?
  6. Softwarelösung evaluiert oder implementiert?
  7. Budget für CBAM-Zertifikate ab 2026 eingeplant?
  8. Schulungen für beteiligte Mitarbeiter durchgeführt?

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann endet die CBAM-Übergangsphase?

Die Übergangsphase endete am 31. Dezember 2025; der letzte Quartalsbericht (Q4 2025) war bis 31. Januar 2026 fällig. Seit 1. Januar 2026 läuft die Regelphase: Die Einfuhren sind zertifikatspflichtig, gekauft und abgegeben werden die Zertifikate für 2026 aber erst 2027 (Verkauf ab 1. Februar, Abgabe bis 30. September 2027).

Muss ich in der Übergangsphase bereits CBAM-Zertifikate kaufen?

Nein, während der Übergangsphase fallen keine finanziellen Verpflichtungen an. Es besteht lediglich eine Berichtspflicht über die in den importierten Waren enthaltenen Emissionen.

Was passiert, wenn ich einen CBAM-Bericht nicht rechtzeitig einreiche?

Für fehlende, unvollständige oder falsche Berichte der Übergangsphase, die nicht fristgerecht korrigiert werden, sind 10 bis 50 Euro pro Tonne nicht gemeldeter Emissionen möglich (Art. 35 VO 2023/956, Art. 16 DVO 2023/1773), in schweren Fällen mehr. Laut DEHSt geht einer Sanktion grundsätzlich ein Berichtigungsverfahren voraus.

Kann ich Standardwerte statt tatsächlicher Emissionsdaten verwenden?

Ja — auch in der Regelphase ab 2026. Die Kommission hat die Standardwerte in der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2621 festgelegt; sie werden im CBAM-Register bereitgestellt. Tatsächliche Werte müssen dagegen nach den vorgeschriebenen Methoden erfasst und von einer akkreditierten Prüfstelle verifiziert werden. Standardwerte sind meist ungünstiger.

Wie registriere ich mich für das CBAM-Übergangsregister?

Das Übergangsregister ist mit dem Ende der Übergangsphase abgelöst. Seit 2026 braucht, wer Strom, Wasserstoff oder mehr als 50 Tonnen anderer CBAM-Waren pro Jahr einführt, die Zulassung als CBAM-Anmelder; der Antrag läuft über das CBAM-Register, zuständig in Deutschland ist die DEHSt.