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CBAM und Zement: Prozessemissionen als Herausforderung

Veroeffentlicht: 2026-03-27 Lesezeit: 2 Min.
CBAM und Zement: Prozessemissionen als Herausforderung

Zement: Prozessemissionen machen den Unterschied

Zement ist ein Sonderfall im CBAM — bei der Herstellung von Klinker entsteht CO2 nicht nur durch Brennstoffe, sondern durch eine chemische Reaktion: die Entsaeuerung von Kalkstein. Selbst ein vollstaendig auf Erneuerbare umgestelltes Werk haette noch rund 60% der heutigen Emissionen.

Pro Tonne Klinker fallen etwa 0,8 bis 0,9 Tonnen CO2 an. Davon sind rund 0,53 Tonnen prozessbedingt und unvermeidbar mit heutiger Technologie. Das macht Zement zu einem der am schwierigsten zu dekarbonisierenden Materialien — und den CBAM fuer Zementimporte besonders relevant.

Handelsstroemebei Zement

Im Gegensatz zu Stahl wird Zement wegen der hohen Transportkosten relativ wenig international gehandelt. Die EU-Importe kommen primaer aus der Tuerkei (groesster Lieferant), Nordafrika und dem Westbalkan. Trotz der begrenzten Mengen hat die EU Zement in den CBAM aufgenommen — bei steigenden CO2-Preisen koennte sich das Handelsvolumen sonst schnell aendern.
QuelleAnteil EU-ImportEmissionen/t ZementCBAM-Kosten 2034 (70 EUR/t CO2)
Tuerkeica. 40%0,65 t45,50 EUR/t
Nordafrikaca. 25%0,70 t49,00 EUR/t
Westbalkanca. 20%0,75 t52,50 EUR/t
Bei Zementpreisen von 80 bis 120 EUR/t sind das Aufschlaege von 40 bis 65%. Fuer die Bauwirtschaft ein relevanter Kostenfaktor.

Dekarbonisierung der Zementindustrie

Die Branche arbeitet an mehreren Loesungsansaetzen: Klinkerersatzstoffe (Huettensand, Flugasche), alternative Brennstoffe (Biomasse, Abfaelle), CO2-Abscheidung (CCS/CCU) und neue Bindemittel (Geopolymere). Fuer Importeure bedeutet das: Lieferanten mit niedrigem Klinkeranteil und alternativen Brennstoffen haben unter dem CBAM einen klaren Kostenvorteil.

CCS gilt als die vielversprechendste Technologie fuer die prozessbedingten Emissionen. Mehrere europaeische Zementwerke planen CCS-Anlagen — aber die Investitionskosten sind enorm und die Technologie ist noch nicht in der Breite verfuegbar.

Kostenbeispiel: 10.000 Tonnen Zement aus der Tuerkei

Empfehlungen fuer Zementimporteure

  1. Emissionsdaten der Lieferanten systematisch erheben — Klinkeranteil und Brennstoffmix sind entscheidend
  2. Europaeische Zementquellen als Alternative evaluieren
  3. Langfristige Liefervertraege mit CBAM-Klauseln ausstatten
  4. Alternative Baustoffe (Holz, Recycling-Beton) in Betracht ziehen
  5. CCS-Entwicklung bei Lieferanten verfolgen — sie senkt die CBAM-Kosten mittelfristig

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum ist Zement im CBAM?

Zement hat prozessbedingt hohe CO2-Emissionen, die sich auch durch Energiewende nicht eliminieren lassen. Bei steigenden EU-CO2-Preisen besteht ein erhebliches Carbon-Leakage-Risiko — besonders in Kuestenregionen.

Wie hoch sind die CBAM-Kosten fuer Zement?

Bei voller Anwendung 2034 und tuerkischem Zement ca. 45 EUR/t — das sind 40-55% Aufschlag auf den Zementpreis. In den ersten Jahren ist der Effekt durch die schrittweise Einfuehrung deutlich geringer.

Kann Zement ohne CO2 hergestellt werden?

Nicht mit heutiger Technologie. Die Prozessemissionen durch Kalksteinentsaeuerung sind chemisch bedingt. CCS ist die vielversprechendste Loesung, aber noch nicht breit verfuegbar.