CBAM 2026: Welche Sektoren sind betroffen? Stahl, Aluminium, Düngemittel und mehr
CBAM 2026: Sechs Sektoren, konkrete Pflichten
Seit Januar 2026 gilt CBAM in der Finalphase: kaufen statt nur berichten. Sechs Produktkategorien sind betroffen — Stahl und Eisen, Aluminium, Zement, Düngemittel, Wasserstoff und Strom. Jeder Sektor folgt eigenen Emissionsberechnungsregeln, KN-Codes und Abgabepflichten.Übersicht: Alle CBAM-Sektoren 2026 auf einen Blick
| Sektor | Wichtige Produkte | Direkte Emissionen | Indirekte Emissionen | Ø CO2-Intensität |
|---|---|---|---|---|
| Stahl und Eisen | Warmband, Roheisen, Profile | Pflicht | Optional | 1,5–2,5 t CO2/t |
| Aluminium | Rohaluminium, Guss, Profile | Pflicht | Pflicht | 2–20 t CO2/t |
| Zement | Portlandzement, Klinker | Pflicht | Nein | 0,65–0,88 t CO2/t |
| Düngemittel | Ammoniak, Harnstoff, Salpetersäure | Pflicht | Teilweise | 0,7–8 t CO2eq/t |
| Wasserstoff | Grauer, blauer, grüner H₂ | Pflicht | Nein | 0,5–12 kg CO2/kg |
| Strom | Stromeinfuhr aus Drittländern | Pflicht | — | Netzmix abhängig |
Sektor 1: Stahl und Eisen — das volumenstärkste CBAM-Produkt
Stahl ist der bedeutendste CBAM-Sektor nach Importvolumen. Rund 35 Millionen Tonnen Stahl- und Eisenerzeugnisse werden jährlich aus Nicht-EU-Ländern eingeführt. Hauptherkunftsländer: Türkei (rund 15 Mio. t), Ukraine, Indien und Russland (seit Sanktionen stark gesunken).Die KN-Codes für Stahl und Eisen umfassen hauptsächlich Kapitel 72 und 73 des EU-Zolltarifs:
- 7206–7207: Roheisen und Rohblöcke
- 7208–7216: Flach- und Langerzeugnisse, Profile, Stäbe
- 7217: Draht aus Eisen oder nicht legiertem Stahl
- 7301–7326: Weiterverarbeitete Stahlerzeugnisse
Für Details zur Stahlbranche: CBAM Stahlindustrie Auswirkungen
Sektor 2: Aluminium — der emissionsintensivste Sektor
Aluminium hat die höchste spezifische CO2-Intensität aller CBAM-Sektoren. Das energieintensive Elektrolyseverfahren (Hall-Héroult-Prozess) erklärt warum: In China, wo Kohlestrom dominiert, entstehen 14–20 t CO2-Äquivalent pro Tonne Rohaluminium. In Island oder Norwegen (fast 100 % Wasserkraft) sind es nur 2–4 t CO2/t. Besonderheit: Bei Aluminium müssen zwingend auch die indirekten Emissionen aus der Stromerzeugung einbezogen werden. Das unterscheidet Aluminium von Stahl und Zement, wo indirekte Emissionen optional bleiben.Betroffene KN-Codes:
- 7601: Rohaluminium
- 7602–7606: Schrott, Pulver, Stangen, Profile
- 7607–7616: Folien, Rohre, Behälter, Haushaltsgegenstände
Sektor 3: Zement — Prozessemissionen dominieren
Beim Zement entstehen rund 50–60 % der CO2-Emissionen aus der Calcinierung des Kalksteins (CaCO₃ → CaO + CO₂) — nicht aus dem Energieeinsatz. Das macht Zement schwer dekarbonisierbar und CBAM besonders relevant für Bauunternehmen und Importeure.| Produkt | KN-Code | Emissionsfaktor |
|---|---|---|
| Portlandzement CEM I | 2523.29 | 0,65–0,82 t CO2/t |
| Hochofenzement CEM III | 2523.30 | 0,35–0,50 t CO2/t |
| Klinker | 2523.10 | 0,78–0,88 t CO2/t |
| Weißzement | 2523.21 | 0,70–0,85 t CO2/t |
| Kalk | 2521 | 0,55–0,70 t CO2/t |
Sektor 4: Düngemittel — breites Produktspektrum mit N₂O-Komplexität
Der Düngemittelsektor umfasst stickstoffbasierte Dünger und ihre Vorprodukte — und ist methodisch anspruchsvoll, weil Lachgas (N₂O) mit einem GWP von 265 in CO2-Äquivalente umgerechnet werden muss.| Produkt | KN-Code | CO2-Intensität | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Ammoniak (NH₃) | 2814 | ~2,0 t CO2/t | Vorprodukt für alle N-Dünger |
| Harnstoff | 3102.10 | ~0,7 t CO2/t | Nach CO2-Bindungsanrechnung |
| Salpetersäure | 2808 | ~7,0 t CO2eq/t | N₂O-Anteil dominiert |
| Ammoniumnitrat | 3102.30 | ~3,5 t CO2eq/t | Explosionsschutzpflichten |
| NPK-Mischungen | 3105 | variiert | Anteilige Berechnung |
Sektor 5: Wasserstoff — neuer CBAM-Rohstoff mit wachsender Bedeutung
Wasserstoff ist neu in der CBAM-Systematik (KN-Code 2804.10) und wichtig für die Energiewende. Die Emissionsintensität variiert je nach Produktionsweg radikal:| Typ | Produktionsweg | CO2-Intensität | CBAM-Relevanz |
|---|---|---|---|
| Grauer H₂ | Dampfreformierung Erdgas | 8–12 kg CO2/kg | Hoch |
| Blauer H₂ | Dampfreformierung + CCS | 1–3 kg CO2/kg | Mittel |
| Türkiser H₂ | Methanpyrolyse | 2–4 kg CO2/kg | Mittel |
| Grüner H₂ | Elektrolyse (erneuerbar) | ~0,5 kg CO2/kg | Gering |
Sektor 6: Strom — CBAM für Energieimporte
Stromimporte aus Nicht-EU-Ländern (KN-Code 2716) unterliegen CBAM. Relevant sind vor allem Importe aus Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und der Ukraine. Die Emissionsintensität wird anhand des nationalen Strommixes berechnet — oder bei nachweislichem Einsatz erneuerbarer Quellen über verifizierte Herkunftsnachweise reduziert.Geplante Ausweitung: Was kommt nach 2027?
Im CBAM-Review 2025 hat die Europäische Kommission weitere Produktkategorien für eine Erweiterung ab 2027–2028 geprüft. Kandidaten:- Schrauben, Muttern und Bolzen aus Stahl (Kapitel 73)
- Rohre und Profile für den Bau
- Bestimmte organische Chemikalien und Polymere
- Farben und Lacke auf Eisenoxid-Basis
Welche Produkte sind derzeit NICHT erfasst?
Nicht alle Stahl- oder Aluminium-Produkte fallen automatisch unter CBAM — entscheidend ist der KN-Code auf der Zollanmeldung:- Fertigprodukte (Maschinen, Fahrzeuge, Haushaltsgeräte): noch nicht erfasst
- Metallschrott: unter bestimmten Bedingungen ausgenommen
- Aluminium-Verpackungen (Getränkedosen, Folien in Produkten): derzeit nicht erfasst
Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Sektoren fallen ab 2026 unter CBAM?
Sechs Sektoren: Stahl und Eisen, Aluminium, Zement, Düngemittel (Ammoniak, Harnstoff, Salpetersäure, Stickstoffdünger), Wasserstoff und Strom. Die relevanten Produkte sind über KN-Codes in Annex I der Verordnung EU 2023/956 definiert.
Welcher CBAM-Sektor hat die höchsten Emissionskosten?
Aluminium aus China hat die höchste spezifische CO2-Last: 14–20 t CO2 pro Tonne Rohaluminium. Bei einem CBAM-Zertifikatspreis von 75,36 EUR/t (Q1 2026) entspricht das in der Vollphase 2034 bis zu 1.507 EUR pro Tonne. Aluminium aus Wasserkraftländern liegt mit 2–4 t CO2/t deutlich günstiger.
Muss Aluminium direkte und indirekte Emissionen melden?
Ja. Bei Aluminium sind die indirekten Emissionen aus der Stromerzeugung für die Elektrolyse zwingend einzubeziehen. Bei Stahl und Zement ist das nur optional. Das erhöht die CBAM-Last für Aluminium aus kohlestrombetriebenen Ländern erheblich.
Wann wird CBAM auf weitere Sektoren ausgeweitet?
Eine Erweiterung auf nachgelagerte Stahlprodukte und möglicherweise Chemikalien ist für 2027/2028 in Diskussion. Die Kommission führt derzeit den CBAM-Review durch, dessen Ergebnisse die Grundlage für eine Legislativvorlage bilden sollen.
Warum ist Salpetersäure teurer als Harnstoff bei CBAM?
Weil bei der Salpetersäureproduktion erhebliche Mengen Lachgas (N₂O) entstehen. N₂O hat ein 100-Jahres-GWP von 265 — das heißt, 1 kg N₂O entspricht 265 kg CO2. Dieser N₂O-Anteil dominiert den Emissionsfaktor von Salpetersäure (ca. 7 t CO2eq/t) gegenüber Harnstoff (ca. 0,7 t CO2/t).