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CBAM 2026: Welche Sektoren sind betroffen? Stahl, Aluminium, Düngemittel und mehr

Veröffentlicht: 2026-06-09 Lesezeit: 4 Min.
CBAM 2026: Welche Sektoren sind betroffen? Stahl, Aluminium, Düngemittel und mehr

CBAM 2026: Sechs Sektoren, konkrete Pflichten

Seit Januar 2026 gilt CBAM in der Finalphase: kaufen statt nur berichten. Sechs Produktkategorien sind betroffen — Stahl und Eisen, Aluminium, Zement, Düngemittel, Wasserstoff und Strom. Jeder Sektor folgt eigenen Emissionsberechnungsregeln, KN-Codes und Abgabepflichten.

Übersicht: Alle CBAM-Sektoren 2026 auf einen Blick

SektorWichtige ProdukteDirekte EmissionenIndirekte EmissionenØ CO2-Intensität
Stahl und EisenWarmband, Roheisen, ProfilePflichtOptional1,5–2,5 t CO2/t
AluminiumRohaluminium, Guss, ProfilePflichtPflicht2–20 t CO2/t
ZementPortlandzement, KlinkerPflichtNein0,65–0,88 t CO2/t
DüngemittelAmmoniak, Harnstoff, SalpetersäurePflichtTeilweise0,7–8 t CO2eq/t
WasserstoffGrauer, blauer, grüner H₂PflichtNein0,5–12 kg CO2/kg
StromStromeinfuhr aus DrittländernPflichtNetzmix abhängig

Sektor 1: Stahl und Eisen — das volumenstärkste CBAM-Produkt

Stahl ist der bedeutendste CBAM-Sektor nach Importvolumen. Rund 35 Millionen Tonnen Stahl- und Eisenerzeugnisse werden jährlich aus Nicht-EU-Ländern eingeführt. Hauptherkunftsländer: Türkei (rund 15 Mio. t), Ukraine, Indien und Russland (seit Sanktionen stark gesunken).

Die KN-Codes für Stahl und Eisen umfassen hauptsächlich Kapitel 72 und 73 des EU-Zolltarifs:

Der Emissionsfaktor liegt bei Warmbreitband typischerweise bei 1,5–2,2 t CO2/t. Türkischer Stahl aus dem Elektrolichtbogenofen (ca. 0,8–1,2 t CO2/t) liegt deutlich unter chinesischem Hochofenstahl (2,0–2,5 t CO2/t). Dieser Unterschied wird unter CBAM zum strategischen Einkaufsfaktor.

Für Details zur Stahlbranche: CBAM Stahlindustrie Auswirkungen

Sektor 2: Aluminium — der emissionsintensivste Sektor

Aluminium hat die höchste spezifische CO2-Intensität aller CBAM-Sektoren. Das energieintensive Elektrolyseverfahren (Hall-Héroult-Prozess) erklärt warum: In China, wo Kohlestrom dominiert, entstehen 14–20 t CO2-Äquivalent pro Tonne Rohaluminium. In Island oder Norwegen (fast 100 % Wasserkraft) sind es nur 2–4 t CO2/t. Besonderheit: Bei Aluminium müssen zwingend auch die indirekten Emissionen aus der Stromerzeugung einbezogen werden. Das unterscheidet Aluminium von Stahl und Zement, wo indirekte Emissionen optional bleiben.

Betroffene KN-Codes:

Mehr zur CBAM-Aluminium-Branche und den konkreten Rechenbeispielen.

Sektor 3: Zement — Prozessemissionen dominieren

Beim Zement entstehen rund 50–60 % der CO2-Emissionen aus der Calcinierung des Kalksteins (CaCO₃ → CaO + CO₂) — nicht aus dem Energieeinsatz. Das macht Zement schwer dekarbonisierbar und CBAM besonders relevant für Bauunternehmen und Importeure.
ProduktKN-CodeEmissionsfaktor
Portlandzement CEM I2523.290,65–0,82 t CO2/t
Hochofenzement CEM III2523.300,35–0,50 t CO2/t
Klinker2523.100,78–0,88 t CO2/t
Weißzement2523.210,70–0,85 t CO2/t
Kalk25210,55–0,70 t CO2/t
Für die Zementindustrie und ihre CBAM-Kosten gelten eigene Berechnungsregeln zur Klinkerrate.

Sektor 4: Düngemittel — breites Produktspektrum mit N₂O-Komplexität

Der Düngemittelsektor umfasst stickstoffbasierte Dünger und ihre Vorprodukte — und ist methodisch anspruchsvoll, weil Lachgas (N₂O) mit einem GWP von 265 in CO2-Äquivalente umgerechnet werden muss.
ProduktKN-CodeCO2-IntensitätBesonderheit
Ammoniak (NH₃)2814~2,0 t CO2/tVorprodukt für alle N-Dünger
Harnstoff3102.10~0,7 t CO2/tNach CO2-Bindungsanrechnung
Salpetersäure2808~7,0 t CO2eq/tN₂O-Anteil dominiert
Ammoniumnitrat3102.30~3,5 t CO2eq/tExplosionsschutzpflichten
NPK-Mischungen3105variiertAnteilige Berechnung
Für landwirtschaftliche Betriebe und Düngemittelimporte sind die Standardwerte besonders kritisch zu bewerten.

Sektor 5: Wasserstoff — neuer CBAM-Rohstoff mit wachsender Bedeutung

Wasserstoff ist neu in der CBAM-Systematik (KN-Code 2804.10) und wichtig für die Energiewende. Die Emissionsintensität variiert je nach Produktionsweg radikal:
TypProduktionswegCO2-IntensitätCBAM-Relevanz
Grauer H₂Dampfreformierung Erdgas8–12 kg CO2/kgHoch
Blauer H₂Dampfreformierung + CCS1–3 kg CO2/kgMittel
Türkiser H₂Methanpyrolyse2–4 kg CO2/kgMittel
Grüner H₂Elektrolyse (erneuerbar)~0,5 kg CO2/kgGering
Herkunftsländer mit wachsenden Exportmengen: Ägypten, Marokko, Saudi-Arabien, Chile.

Sektor 6: Strom — CBAM für Energieimporte

Stromimporte aus Nicht-EU-Ländern (KN-Code 2716) unterliegen CBAM. Relevant sind vor allem Importe aus Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und der Ukraine. Die Emissionsintensität wird anhand des nationalen Strommixes berechnet — oder bei nachweislichem Einsatz erneuerbarer Quellen über verifizierte Herkunftsnachweise reduziert.

Geplante Ausweitung: Was kommt nach 2027?

Im CBAM-Review 2025 hat die Europäische Kommission weitere Produktkategorien für eine Erweiterung ab 2027–2028 geprüft. Kandidaten:
  1. Schrauben, Muttern und Bolzen aus Stahl (Kapitel 73)
  2. Rohre und Profile für den Bau
  3. Bestimmte organische Chemikalien und Polymere
  4. Farben und Lacke auf Eisenoxid-Basis
Unternehmen in nachgelagerten Industrien sollten die Zeitplanung 2026–2034 im Blick behalten.

Welche Produkte sind derzeit NICHT erfasst?

Nicht alle Stahl- oder Aluminium-Produkte fallen automatisch unter CBAM — entscheidend ist der KN-Code auf der Zollanmeldung: Für die Praxis: Die vollständige Liste der CBAM-pflichtigen KN-Codes und Warennummern ist Ausgangspunkt jeder Lieferanten-Risikobewertung.

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Sektoren fallen ab 2026 unter CBAM?

Sechs Sektoren: Stahl und Eisen, Aluminium, Zement, Düngemittel (Ammoniak, Harnstoff, Salpetersäure, Stickstoffdünger), Wasserstoff und Strom. Die relevanten Produkte sind über KN-Codes in Annex I der Verordnung EU 2023/956 definiert.

Welcher CBAM-Sektor hat die höchsten Emissionskosten?

Aluminium aus China hat die höchste spezifische CO2-Last: 14–20 t CO2 pro Tonne Rohaluminium. Bei einem CBAM-Zertifikatspreis von 75,36 EUR/t (Q1 2026) entspricht das in der Vollphase 2034 bis zu 1.507 EUR pro Tonne. Aluminium aus Wasserkraftländern liegt mit 2–4 t CO2/t deutlich günstiger.

Muss Aluminium direkte und indirekte Emissionen melden?

Ja. Bei Aluminium sind die indirekten Emissionen aus der Stromerzeugung für die Elektrolyse zwingend einzubeziehen. Bei Stahl und Zement ist das nur optional. Das erhöht die CBAM-Last für Aluminium aus kohlestrombetriebenen Ländern erheblich.

Wann wird CBAM auf weitere Sektoren ausgeweitet?

Eine Erweiterung auf nachgelagerte Stahlprodukte und möglicherweise Chemikalien ist für 2027/2028 in Diskussion. Die Kommission führt derzeit den CBAM-Review durch, dessen Ergebnisse die Grundlage für eine Legislativvorlage bilden sollen.

Warum ist Salpetersäure teurer als Harnstoff bei CBAM?

Weil bei der Salpetersäureproduktion erhebliche Mengen Lachgas (N₂O) entstehen. N₂O hat ein 100-Jahres-GWP von 265 — das heißt, 1 kg N₂O entspricht 265 kg CO2. Dieser N₂O-Anteil dominiert den Emissionsfaktor von Salpetersäure (ca. 7 t CO2eq/t) gegenüber Harnstoff (ca. 0,7 t CO2/t).