CBAM-Zertifikate kaufen 2026: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Importeure
CBAM-Zertifikate kaufen 2026: 8 Schritte im Überblick
Kurz gesagt: Seit dem 1. Januar 2026 lösen CBAM-Einfuhren eine Zertifikatspflicht aus — kaufen kann man die Zertifikate aber erst ab dem 1. Februar 2027, und zwar rückwirkend für 2026. Die Abgabe für 2026 ist bis zum 30. September 2027 fällig. Die acht Schritte: (1) Zulassung als CBAM-Anmelder bei der DEHSt, (2) graue Emissionen ermitteln, (3) jährliche CBAM-Erklärung bis 30. September, (4) Zertifikate ab Februar 2027 im CBAM-Register kaufen, (5) ab 2027 zu jedem Quartalsende mindestens 50 % Deckung halten, (6) Emissionsdaten verifizieren lassen, (7) im Drittland gezahlte CO₂-Preise anrechnen, (8) Zertifikate abgeben und Überschüsse bei Bedarf zurückkaufen lassen.Von der Übergangsphase zur Finanzpflicht
Die CBAM-Übergangsphase lief von Oktober 2023 bis Dezember 2025. In dieser Zeit mussten Importeure lediglich vierteljährliche Berichte über die eingebetteten Emissionen ihrer Waren einreichen — ohne finanzielle Konsequenzen. Seit dem 1. Januar 2026 läuft die Regelphase der CBAM-Verordnung (EU) 2023/956: Die Emissionen der in diesem Jahr eingeführten Waren sind zertifikatspflichtig. Der Haken — und die häufigste Verwechslung: Gekauft und abgegeben wird erst 2027. Wer heute importiert, muss also jetzt Daten sammeln und Budget zurücklegen, nicht Zertifikate kaufen.Die Pflicht gilt für folgende Warenkategorien:
| Sektor | Typische Waren |
|---|---|
| Eisen und Stahl | Flacherzeugnisse, Profile, Rohre, Schrauben |
| Aluminium | Rohaluminium, Profile, Bleche |
| Zement | Portlandzement, Klinker |
| Düngemittel | Ammoniak, Ammoniumnitrat, Harnstoff, Mischdünger |
| Strom | Elektrische Energie |
| Wasserstoff | Wasserstoff |
Welche KN-Codes genau erfasst sind, legt Anhang I der Verordnung fest; für eine vollständige Liste empfiehlt sich ein Blick in unseren Artikel zu den CBAM KN-Codes und Warennummern.
Schritt 1: Registrierung als zugelassener CBAM-Anmelder
Nur als zugelassener CBAM-Anmelder (Authorised CBAM Declarant) dürfen Sie Strom, Wasserstoff oder mehr als 50 Tonnen anderer CBAM-Waren pro Jahr einführen. Der Antrag läuft über das CBAM-Register der EU; zuständig für die Entscheidung ist in Deutschland die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt). Übergangsregel: Wer den Antrag bis 31.03.2026 gestellt hat, darf vorläufig weiter einführen, bis darüber entschieden ist.Für den Antrag brauchen Sie unter anderem Ihre EORI-Nummer und Angaben zum Unternehmen; welche Nachweise im Einzelnen verlangt werden, nennt die DEHSt. Nach positivem Bescheid erhalten Sie ein Konto im CBAM-Register — über dieses Konto laufen später Kauf, Bestand und Abgabe der Zertifikate.
Wichtig: Zollvertreter können im Namen von Importeuren als CBAM-Anmelder auftreten — vorausgesetzt, sie sind ebenfalls als zugelassener Anmelder registriert. Details dazu in unserem Beitrag zu CBAM-Zollvertretern und Spediteuren.
Schritt 2: Eingebettete Emissionen berechnen
Die Berechnung der eingebetteten Emissionen ist das methodische Herzstück des CBAM. Sie müssen die tatsächlichen Emissionen für jede Tonne importierter Ware ermitteln — aufgeteilt in direkte Emissionen (aus dem Produktionsprozess selbst) und, je nach Warenart, indirekte Emissionen (aus dem verbrauchten Strom).Zwei Wege sind möglich:
- Tatsächliche Emissionsdaten vom Produzenten (meist vorteilhaft, aber nur mit Verifizierung)
- Standardwerte (Default Values) der Europäischen Kommission (zulässig, aber meist ungünstiger)
Schritt 3: CBAM-Erklärung erstellen
Jedes Jahr bis zum 30. September müssen Sie für das Vorjahr eine CBAM-Erklärung im CBAM-Register einreichen — erstmals 2027 für das Jahr 2026. Diese enthält:- Gesamtmenge jeder Warenkategorie (in Tonnen)
- Gesamte eingebettete Emissionen (in Tonnen CO2-Äquivalent)
- Anzahl der abzugebenden CBAM-Zertifikate
- Nachweis bereits gezahlter CO2-Preise im Ursprungsland
Schritte 4 und 5: Zertifikate kaufen und Mindestdeckung sichern
Der Verkauf an zugelassene CBAM-Anmelder startet am 1. Februar 2027, gekauft wird über das CBAM-Register — nicht über Börsen oder Broker. Der Preis folgt den Auktionspreisen im EU-ETS 1:| Zeitraum | Preisbildung | Bekannte Werte (DEHSt) |
|---|---|---|
| Emissionen 2026 | Quartalsdurchschnitt, veröffentlicht in der 2. Woche nach Quartalsende | Q1: 75,36 EUR/t · Q2: 75,28 EUR/t · Q3: Veröffentlichung am 05.10.2026 · Q4: am 04.01.2027 |
| Ab 2027 | Wochendurchschnitt der Vorwoche | wird im CBAM-Register angezeigt |
Die Quartalspflicht gilt ab 2027: Zu jedem Quartalsende (31.3., 30.6., 30.9., 31.12.) müssen mindestens 50 % der grauen Emissionen aller seit Jahresbeginn eingeführten Waren als Zertifikate auf dem Konto liegen. Wer den Bedarf zu niedrig schätzt, muss nachkaufen — dann zum aktuellen Wochenpreis.
Den Zusammenhang zwischen CBAM-Zertifikaten und dem EU-ETS erklärt unser Artikel CBAM und EU-ETS: der genaue Zusammenhang.
Schritte 6 und 7: Verifizierung und Anrechnung ausländischer CO2-Preise
Vor der Abgabe müssen die deklarierten Emissionen durch eine akkreditierte Prüfstelle verifiziert werden. Die Verifizierung muss die verwendeten Berechnungsmethoden, Datenquellen und die Plausibilität der Ergebnisse abdecken.Wurde im Ursprungsland bereits ein CO2-Preis entrichtet, kann sich die Zahl der abzugebenden Zertifikate verringern (Art. 9 der Verordnung) — abzüglich etwaiger Rabatte oder kostenloser Zuteilungen. Die konkreten Modalitäten dieser Anrechnung hat die Kommission laut DEHSt noch nicht erlassen; dokumentieren Sie gezahlte Preise trotzdem schon jetzt lückenlos.
Schritt 8: Abgabe bis 30. September
Die Abgabe der CBAM-Zertifikate erfolgt einmal jährlich bis zum 30. September für das Vorjahr — erstmals am 30.09.2027 für 2026. Wer zu wenige abgibt, zahlt nach Art. 26 der Verordnung (EU) 2023/956 eine Sanktion von 100 Euro pro fehlender Tonne CO₂-Äquivalent, indexiert mit dem europäischen Verbraucherpreisindex — und muss die Zertifikate trotzdem nachreichen. Details in unserem Beitrag zu CBAM-Strafen und Bußgeldern.Einen vollständigen Überblick über den Zeitplan 2026 bis 2034 gibt unser Beitrag zum CBAM-Zeitplan und den Phasen 2026–2034.
Praxistipps für Importeure
- Zulassung klären: Ohne Zulassung (oder rechtzeitig gestellten Antrag) ist die Einfuhr über der 50-Tonnen-Schwelle unerlaubt — die Sanktion beträgt dann das Drei- bis Fünffache.
- Lieferantendaten systematisch erheben: Stellen Sie sicher, dass Ihre Lieferanten die nötigen Emissionsdaten liefern können — am besten vertraglich fixiert.
- Software nutzen: Spezialisierte CBAM-Software kann die Berechnung, Deklaration und Fristen automatisieren.
- Budget realistisch planen: 2026 ist nur ein kleiner Teil der grauen Emissionen zertifikatspflichtig, weil die kostenlose Zuteilung im EU-ETS erst schrittweise sinkt — aber nur für Waren nahe am CBAM-Benchmark; emissionsintensivere Ware kostet deutlich mehr. Wie der Abzug aus Benchmark und CBAM-Faktor funktioniert, erklärt unser Beitrag zum CBAM-Kohlenstoffpreis 2026.
- Drittland-CO2-Preise dokumentieren: Jeder nicht geltend gemachte ausländische CO2-Preis kostet bares Geld.
Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Wo kauft man CBAM-Zertifikate 2026?
CBAM-Zertifikate kaufen zugelassene CBAM-Anmelder über das CBAM-Register der EU — nicht über Börsen oder Broker. Der Verkauf startet am 1. Februar 2027; Zertifikate für die Einfuhren des Jahres 2026 werden dann rückwirkend erworben. In Deutschland ist die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) für Zulassung und Vollzug zuständig.
Wie viel kosten CBAM-Zertifikate 2026?
Für 2026 gilt ein Quartalspreis auf Basis der EU-ETS-Auktionen: Q1 2026 75,36 EUR/t, Q2 2026 75,28 EUR/t (DEHSt); Q3 wird am 05.10.2026 veröffentlicht. Ab 2027 wird wöchentlich ein Preis festgesetzt. Überzählige Zertifikate für 2026 können bis 31.10.2027 zum Rückkauf beantragt werden.
Was passiert, wenn ich keine CBAM-Zertifikate abgebe?
Wer bis zum 30. September des Folgejahres zu wenige Zertifikate abgibt, zahlt nach Art. 26 VO (EU) 2023/956 eine Sanktion von 100 Euro pro fehlender Tonne CO₂-Äquivalent, indexiert mit dem europäischen Verbraucherpreisindex, und muss die Zertifikate trotzdem nachreichen. Bei schwerwiegenden oder wiederholten Verstößen droht der Widerruf der Zulassung.
Müssen auch KMU CBAM-Zertifikate kaufen?
Es gibt keine Ausnahme nach Unternehmensgröße, wohl aber eine Mengenschwelle: Wer im Kalenderjahr insgesamt nicht mehr als 50 Tonnen CBAM-Waren einführt, ist von den CBAM-Pflichten befreit (Art. 2a VO 2023/956, eingeführt durch VO 2025/2083). Für Strom und Wasserstoff gilt diese Schwelle nicht. Mehr dazu in unserem Artikel zum CBAM-Schwellenwert 2026.