CBAM und China: Groesster Handelspartner, hoechste Relevanz
China und CBAM: Eine tektonische Verschiebung
China ist der mit Abstand groesste Produzent von Stahl (ueber 50% der Weltproduktion), Aluminium und vielen anderen CBAM-Waren. Obwohl der direkte Stahlexport in die EU relativ begrenzt ist, hat der CBAM enorme symbolische und strategische Bedeutung fuer die Beziehung zwischen Bruessel und Peking.Chinas Exporte in die EU
| Produkt | Menge (geschaetzt) | CO2-Intensitaet | CBAM 2034 (70 EUR/t) |
|---|---|---|---|
| Stahl | ca. 3-4 Mio. t | 1,8-2,2 t/t | 126-154 EUR/t |
| Aluminium | ca. 1-2 Mio. t | 14-18 t/t | 980-1.260 EUR/t |
| Duengemittel | ca. 0,5 Mio. t | 1,8-2,2 t/t | 126-154 EUR/t |
Chinas Reaktion
Peking verfolgt eine Doppelstrategie: Oeffentlich kritisiert China den CBAM als protektionistisch und droht mit WTO-Klagen. Gleichzeitig baut China sein eigenes Emissionshandelssystem aus — allerdings mit einem Preis von nur 8-12 EUR/t, deutlich unter dem EU-Niveau.Das chinesische ETS ist auf den Stromsektor beschraenkt. Eine Ausweitung auf die Industrie wird diskutiert. Sollte China seinen CO2-Preis signifikant erhoehen, wuerde das die CBAM-Anrechnung verbessern — und die CBAM-Kosten fuer chinesische Exporte senken.
Handelsumleitung als Risiko
Ein reales Risiko: Chinesischer Stahl koennte ueber Drittlaender (z.B. Vietnam, Indonesien) umgeleitet werden, um den CBAM zu umgehen. Die EU hat Anti-Circumvention-Regeln vorgesehen, aber deren Wirksamkeit muss sich zeigen.Strategische Auswirkungen
Der CBAM beschleunigt die Entkopplung der EU-China-Handelsbeziehungen im Industriesektor. Fuer europaeische Importeure bedeutet das: Diversifizierung der Lieferketten weg von chinesischer Abhaengigkeit wird nicht nur geopolitisch, sondern auch kostentechnisch sinnvoll.Empfehlungen fuer Importeure aus China
- CBAM-Zertifikatspreise und eingebettete Emissionen der chinesischen Waren berechnen — die Mehrkosten sind erheblich
- Alternative Lieferquellen evaluieren (Indien hat aehnliche Probleme, aber Tuerkei/Suedkorea sind besser positioniert)
- Chinesische Lieferantendaten fruehzeitig anfordern
- Entwicklung des chinesischen ETS-Preises verfolgen
- Auf Handelsumleitung achten — die Behoerden tun es auch
Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie hoch sind die CBAM-Kosten fuer Aluminium aus China?
Chinesisches Primaer-Aluminium hat eine CO2-Intensitaet von ca. 14-18 Tonnen CO2 pro Tonne (kohlebasierter Strommix, laut Berechnungsgrundlagen der EU-Verordnung). Da China kein anrechenbares CO2-Preissystem fuer den Industriesektor hat, muessen EU-Importeure den vollen CBAM-Zertifikatspreis zahlen. Laut Berechnungsbeispiel in der obenstehenden Tabelle koennen die Kosten ueber 1.000 EUR pro Tonne betragen — viele chinesische Aluminiumimporte werden dadurch unwirtschaftlich.
Kann Chinas Emissionshandelssystem (ETS) auf den CBAM angerechnet werden?
Nur in sehr begrenztem Umfang. Chinas ETS erfasst bisher hauptsaechlich den Stromsektor mit einem CO2-Preis deutlich unter EU-Niveau (ca. 8-12 EUR/t). Fuer Stahl- und Aluminiumproduzenten ohne ETS-Teilnahme ist keine Anrechnung moeglich. Eine substanzielle Anrechnung wuerde eine deutliche Ausweitung des chinesischen ETS auf Industrie und einen CO2-Preis auf EU-Niveau erfordern.
Welche Alternativen zu chinesischen CBAM-Waren haben EU-Importeure?
Die Alternativen haengen vom Produkt ab: Bei Stahl bieten sich die Tuerkei oder Suedkorea (mit eigenem CO2-Preissystem) an. Bei Aluminium ist Primaer-Aluminium aus Norwegen oder Island (Wasserkraft, geringe CO2-Intensitaet) eine Option, wenn auch teurer als chinesisches Material. Fuer jedes Herkunftsland muessen CO2-Intensitaet und etwaige anrechenbare CO2-Preise separat geprueft werden.