CBAM 2026 : Meldepflichten für Importeure von Stahl und Eisen — vollständiger Leitfaden
- Registrierung: Als «zugelassener CBAM-Anmelder» im CBAM-Register der EU-Kommission registrieren lassen
- Emissionsermittlung: Eingebettete CO₂-Emissionen der importierten Stahlprodukte berechnen oder vom Exporteur nachweisen lassen
- CBAM-Erklärung: Ab 2026 jährliche CBAM-Erklärung einreichen (bis 31. Mai für das Vorjahr)
- Zertifikate kaufen: CBAM-Zertifikate proportional zu den eingebetteten Emissionen erwerben und abgeben
- Anpassung bei CO₂-Preis im Herkunftsland: Bereits gezahlte CO₂-Preise im Exportland können auf die CBAM-Pflicht angerechnet werden
Was ist CBAM und welche Stahlprodukte sind betroffen?
Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) ist der EU-Kohlenstoffgrenzausgleich, geregelt durch die Verordnung (EU) 2023/956. Er soll Kohlenstoffleck (Carbon Leakage) verhindern: also die Verlagerung von CO₂-intensiver Produktion in Länder ohne CO₂-Bepreisung, um dem EU-Emissionshandelssystem (ETS) zu entgehen.
CBAM gilt für den Import folgender Gütergruppen in die EU:
- Stahl und Eisen (Eisen- und Stahlerzeugnisse gemäss definierten Zolltarifpositionen)
- Aluminium und Aluminiumerzeugnisse
- Zement
- Düngemittel
- Strom
- Wasserstoff
Im Bereich Stahl/Eisen sind zahlreiche Zolltarifpositionen betroffen — von Roheisen über Warmbreitband bis zu Schrauben und Bolzen. Importeure müssen ihre Produktcodes mit der CBAM-Verordnung abgleichen, um ihre Pflichten zu ermitteln.
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CBAM-Registrierung als «zugelassener CBAM-Anmelder»
Nur «zugelassene CBAM-Anmelder» dürfen CBAM-pflichtige Waren in die EU einführen. Die Registrierung ist zwingend — sie muss vor dem ersten Import erfolgen.
So läuft die Registrierung ab:
- Antrag bei der zuständigen nationalen Behörde (in Deutschland: das Zollamt Bielefeld für CBAM)
- Prüfung durch die Behörde (Solvenz, keine schwerwiegenden Zollverstösse)
- Eintragung in das CBAM-Register der EU-Kommission (CBAM Transitional Registry / ab 2026: dauerhaftes Register)
- Zugang zur nationalen CBAM-Behörde und zum CBAM-Zertifikatkonto
Unternehmen, die in der Übergangsphase (2023–2025) nur Berichte eingereicht haben, müssen sich für den Vollmodus 2026 gesondert als zugelassene CBAM-Anmelder registrieren.
Meldepflichten — vierteljährliche CBAM-Erklärung (Übergangsphase) und jährliche Erklärung (ab 2026)
Die Meldepflichten haben sich mit Ende der Übergangsphase grundlegend verändert:
| Phase | Zeitraum | Meldefrequenz | Pflicht |
|---|---|---|---|
| Übergangsphase | Okt. 2023 – Dez. 2025 | Vierteljährlich | Nur Berichterstattung, keine Zertifikatspflicht |
| Vollmodus | Ab 1. Jan. 2026 | Jährlich (bis 31. Mai) | CBAM-Erklärung + Abgabe von CBAM-Zertifikaten |
Ab 2026 muss die jährliche CBAM-Erklärung folgende Informationen enthalten:
- Gesamtmenge jeder Warenart (in Megawattstunden für Strom, in Tonnen für andere Waren)
- Gesamtmenge der eingebetteten Emissionen (tCO₂e)
- Anzahl der abzugebenden CBAM-Zertifikate
- Bereits im Drittland entrichtete CO₂-Preise (zur Anrechnung)
Berechnung der eingebetteten CO₂-Emissionen für Stahl
Die Kernfrage beim CBAM: Wie viel CO₂ wurde bei der Herstellung des importierten Stahls emittiert? Diese eingebetteten Emissionen müssen ermittelt werden.
Es gibt zwei Wege:
- Tatsächliche Emissionen: Der Exporteur im Drittland stellt verifizierte Emissionsdaten bereit. Das setzt voraus, dass der Stahlhersteller seine Emissionen nach den CBAM-Methodiken erfasst und einem akkreditierten Prüfer vorlegt.
- Standardwerte (Default Values): Die EU-Kommission stellt Standardemissionswerte für Stahlprodukte bereit, die bei fehlenden Herstellerdaten verwendet werden. Diese sind konservativ angesetzt — also höher als die tatsächlichen Emissionen effizienter Hersteller.
Praxistipp: Importeure sollten frühzeitig ihre Lieferanten in Drittländern (z.B. Türkei, Ukraine, Indien, China) auf die CBAM-Anforderungen ansprechen und Emissionsdaten anfordern. Lieferanten mit CBAM-konformen Emissionsnachweisen werden langfristig bevorzugt, da sie günstigere Zertifikatskosten ermöglichen.
CBAM-Zertifikate kaufen und verwalten
Ab 2026 müssen zugelassene CBAM-Anmelder für jede Tonne eingebetteter CO₂-Emissionen ein CBAM-Zertifikat abgeben. Der Preis dieser Zertifikate entspricht dem wöchentlichen Durchschnittspreis der EU-ETS-Zertifikate.
Der ETS-Preis lag in den vergangenen Jahren im Bereich von rund 50–65 € pro Tonne CO₂ (Tendenz steigend). Konkrete Preisgarantien für 2026 und danach sind nicht möglich — der Preis wird am Markt gebildet.
Wichtige Regeln für CBAM-Zertifikate:
- Zertifikate müssen bei der nationalen Behörde über das CBAM-Register gekauft werden
- Am Ende jedes Jahres sind die erworbenen Zertifikate bis zum 31. Mai des Folgejahres abzugeben
- Nicht verwendete Zertifikate können zurückverkauft werden (bis zu einem bestimmten Anteil)
- Zertifikate können auch im Voraus erworben werden — nicht jedoch im Defizit abgegeben werden
Übergangsphase bis 2025 und Vollpflichten ab 2026
Das CBAM-System wurde in zwei Phasen eingeführt:
Übergangsphase (Oktober 2023 – Dezember 2025): Importeure mussten vierteljährliche Berichte über ihre Importe und die eingebetteten Emissionen einreichen. Eine Pflicht zum Kauf und zur Abgabe von CBAM-Zertifikaten bestand noch nicht. Diese Phase diente dazu, die Prozesse einzuspielen und Lieferantendaten zu sammeln.
Vollmodus ab 1. Januar 2026: Ab diesem Zeitpunkt greifen alle CBAM-Pflichten vollständig:
- Nur zugelassene CBAM-Anmelder dürfen CBAM-Waren importieren
- Jährliche CBAM-Erklärung erforderlich (bis 31. Mai)
- CBAM-Zertifikate müssen entsprechend den eingebetteten Emissionen abgegeben werden
- Verstösse können zu erheblichen Bußgeldern führen
Unternehmen, die sich noch nicht als zugelassene CBAM-Anmelder registriert haben, können ab 2026 keine CBAM-pflichtigen Waren mehr importieren. Die Registrierung sollte daher priorisiert werden.
Häufig gestellte Fragen zum CBAM 2026 für Stahl-Importeure
Welche Stahlprodukte sind konkret vom CBAM betroffen?
Die CBAM-Verordnung (EU) 2023/956 listet im Anhang I konkret die betroffenen Zolltarifpositionen auf. Im Bereich Stahl/Eisen umfasst dies u.a. Roheisen, Ferrolegierungen, Rohblöcke, Halbzeuge, Flacherzeugnisse (Warmbreitband, Kaltband, Blech), Langerzeugnisse (Stabstahl, Profile, Draht) sowie bestimmte weiterverarbeitete Produkte wie Rohre und Befestigungsmittel. Importeure sollten ihre Zolltarifnummern mit Anhang I der Verordnung abgleichen.
Wie teuer werden CBAM-Zertifikate 2026?
Der Preis der CBAM-Zertifikate entspricht dem wöchentlichen Durchschnittspreis der EU-ETS-Zertifikate (CO₂-Preis im Europäischen Emissionshandel). Eine exakte Vorhersage ist nicht möglich, da der ETS-Preis am Markt gebildet wird. Als Orientierung: Der ETS-Preis lag in den letzten Jahren im Bereich von 50–65 Euro pro Tonne CO₂, mit erheblichen Schwankungen. Für eine konkrete Kostenkalkulation empfehlen wir, auf aktuelle ETS-Marktpreise zurückzugreifen.
Kann ich CO₂-Preise, die ich im Exportland bezahlt habe, auf CBAM anrechnen?
Ja. Die CBAM-Verordnung sieht eine Anrechnung von CO₂-Preisen vor, die der Hersteller im Drittland für die eingebetteten Emissionen bereits entrichtet hat. Dies gilt, wenn im Exportland ein verbindlicher CO₂-Preis existiert (z.B. ein Emissionshandelssystem oder eine CO₂-Steuer). Der Nachweis muss durch den Importeur erbracht werden. Ziel ist die Vermeidung einer Doppelbelastung.
Was passiert, wenn ich als Importeur keine CBAM-Erklärung abgebe?
Wer keine CBAM-Erklärung abgibt oder zu wenige Zertifikate abgibt, riskiert empfindliche Bußgelder: mindestens 100 Euro pro nicht abgegebenem CBAM-Zertifikat. Zusätzlich behält sich die EU-Kommission vor, nationale Strafmassnahmen zu verhängen. Bei wiederholten Verstössen droht der Entzug der Zulassung als CBAM-Anmelder — was Importstopps zur Folge hätte.
Müssen auch kleine Importeure (KMU) CBAM-Pflichten erfüllen?
Grundsätzlich ja — die CBAM-Verordnung kennt keine Kleinmengenausnahme für KMU. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro sind von CBAM ausgenommen (analog zum Zollrecht). Für KMU mit grösseren Importmengen gelten jedoch dieselben Registrierungs- und Meldepflichten wie für Großunternehmen. Manche Unternehmen erwägen, ihre Importe über spezialisierte CBAM-Zolldienstleister abzuwickeln.