CBAM Magazin

Grundlagen

Abbau der Gratiszuteilung: CBAM ersetzt ETS-Freibetraege

Veroeffentlicht: 2026-03-27 Lesezeit: 3 Min.
Abbau der Gratiszuteilung: CBAM ersetzt ETS-Freibetraege

Das Ende der kostenlosen CO2-Zertifikate

Seit fast 20 Jahren erhalten europaeische Industrieunternehmen einen Grossteil ihrer ETS-Zertifikate kostenlos. Fuer Stahlwerke, Zementfabriken und Aluminiumhuetten war das ein entscheidender Kostenpuffer. Doch damit ist bald Schluss — der CBAM uebernimmt die Schutzfunktion.

Warum aendert die EU ein System, das offenbar funktioniert hat? Die Antwort ist unbequem: Die Gratiszuteilung hat zwar Carbon Leakage verhindert, aber gleichzeitig den Anreiz zur Emissionsreduktion massiv geschwaecht. Wenn ein Stahlwerk 90% seiner Zertifikate gratis bekommt, ist der finanzielle Druck zur Dekarbonisierung gering.

Wie die Gratiszuteilung bisher funktioniert

Die kostenlose Zuteilung basiert auf Benchmarks — den besten 10% der Anlagen in einer Branche. Wer effizienter als der Benchmark produziert, hat ueberschuessige Zertifikate und kann diese verkaufen. Wer schlechter ist, muss zukaufen. Theoretisch ein guter Anreiz, praktisch aber oft zu grosszuegig bemessen.

Die Carbon-Leakage-Liste der EU umfasst rund 60 Sektoren, die als besonders gefaehrdet gelten. Diese Sektoren erhielten bisher bis zu 100% ihrer Benchmark-Zuteilung gratis. Andere Sektoren bekamen einen geringeren Anteil, der jaehrlich sank.

Der Abbauplan: 2026 bis 2034

Die Gratiszuteilung wird linear abgebaut — parallel zum Aufbau des CBAM. Der Mechanismus ist so kalibriert, dass die Summe aus Gratiszuteilung und CBAM-Schutz konstant bleibt. Die heimische Industrie soll also nicht schlechter gestellt werden.
JahrGratiszuteilungCBAM-AnteilNetto-Schutz
2025100%0% (nur Berichtspflicht)100%
202697,5%2,5%100%
202795%5%100%
202977,5%22,5%100%
203051,5%48,5%100%
203226,5%73,5%100%
20340%100%100%
Die Theorie besagt: Der Netto-Schutz bleibt bei 100%. In der Praxis gibt es Luecken — insbesondere fuer europaeische Exporteure, die vom CBAM nicht profitieren.

Auswirkungen auf europaeische Produzenten

Fuer Hersteller innerhalb der EU aendert sich die Kostenstruktur grundlegend. Bisher waren die CO2-Kosten teilweise versteckt — die Gratiszuteilung machte sie unsichtbar. Ab 2026 werden die vollen CO2-Kosten sichtbar.

Das hat einen positiven Effekt: Investitionen in klimafreundliche Technologien werden profitabler. Wer seine Emissionen senkt, spart echtes Geld — nicht nur theoretisch, sondern auch in der GuV. Gruener Stahl wird dadurch wirtschaftlich attraktiver.

Gleichzeitig steigen die Produktionskosten fuer Unternehmen, die nicht dekarbonisieren. Das ist politisch gewollt, aber sozial brisant — besonders in strukturschwachen Regionen mit hoher Abhaengigkeit von emissionsintensiver Industrie.

Die Exportluecke: Das ungeloeste Problem

Das groesste Problem des Gratiszuteilungs-Abbaus betrifft Exporteure. Ein deutsches Stahlwerk, das nach Kanada exportiert, zahlt kuenftig den vollen ETS-Preis — ohne dass der CBAM hilft, denn der gilt nur fuer Importe in die EU.

Die Industrie fordert deshalb einen Exportrabatt — eine Rueckerstattung der CO2-Kosten fuer Exporte. Die EU hat das bisher abgelehnt, unter anderem wegen WTO-rechtlicher Bedenken. Aber der Druck waechst, je weiter die Gratiszuteilung sinkt.

Fuer Unternehmen mit hohem Exportanteil ist das ein strategisches Risiko. Einige Branchenvertreter warnen, dass die Kombination aus sinkendem Gratis-Schutz und fehlendem Export-Ausgleich zu einer Wettbewerbsverzerrung fuehrt — nicht gegenueber Importeuren, sondern auf Drittmaerkten.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Der Abbau der Gratiszuteilung ist beschlossene Sache — daran wird sich nichts mehr aendern. Unternehmen sollten deshalb:
  1. Ihre tatsaechlichen CO2-Kosten ohne Gratiszuteilung berechnen und in die langfristige Finanzplanung einbeziehen
  2. Dekarbonisierungsinvestitionen bewerten: Was kostet die Emissionsreduktion im Vergleich zu den kuenftigen ETS-Kosten?
  3. Exportabhaengigkeit analysieren und Drittmarktstrategien anpassen
  4. Die politische Diskussion um den Exportrabatt verfolgen — eine Aenderung ist nicht ausgeschlossen
  5. Die CBAM-Entwicklungen beobachten, um bei einer moeglichen Ausweitung vorbereitet zu sein

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann enden die kostenlosen ETS-Zertifikate?

Die Gratiszuteilung wird von 2026 bis 2034 schrittweise abgebaut. Ab 2034 gibt es keine kostenlosen ETS-Zertifikate mehr fuer CBAM-Sektoren.

Werden europaeische Produzenten durch den Abbau benachteiligt?

Theoretisch nicht, da der CBAM den Schutz der Gratiszuteilung ersetzt. In der Praxis gibt es aber eine Luecke bei Exporten, die nicht vom CBAM profitieren.

Betrifft der Abbau alle Branchen?

Nein, nur die CBAM-Sektoren: Stahl, Aluminium, Zement, Duengemittel, Strom und Wasserstoff. Andere Sektoren behalten ihre Gratiszuteilung vorerst.