Standardwerte: Der teure Fallback
Wenn ein Importeur keine anlagenspezifischen Emissionsdaten vorlegen kann, greift der CBAM auf Standardwerte zurueck. Diese sind bewusst hoch angesetzt — sie basieren auf dem Durchschnitt der emissionsintensivsten 10% der Anlagen weltweit. Die EU setzt damit einen klaren Anreiz: Wer echte Daten liefert, spart Geld.
Wie Standardwerte berechnet werden
Die EU-Kommission ermittelt die Standardwerte anhand von:
- Daten aus dem EU-ETS (europaeische Best-/Worst-Performer)
- Internationalen Datenbanken (IEA, OECD)
- Laenderspezifischen Energiemix-Daten
- Technologie-Benchmarks pro Produktkategorie
Die resultierenden Werte liegen typischerweise 30 bis 50% ueber dem Durchschnitt der tatsaechlichen Emissionen. Das ist der Preis der Unwissenheit.
Vergleich: Standardwert vs. anlagenspezifisch
| Produkt | Standardwert (t CO2/t) | Typisch anlagenspezifisch | Differenz |
|---|
| Stahl (Hochofen) | 2,5 | 1,6-2,0 | 25-55% hoeher |
| Aluminium (inkl. Strom) | 18,0 | 2-16 (je nach Land) | variabel |
| Zement | 0,95 | 0,6-0,8 | 20-55% hoeher |
| Harnstoff | 2,5 | 1,6-2,0 | 25-55% hoeher |
Finanzielle Auswirkungen
Bei 1.000 Tonnen Stahlimport und 70 EUR/t CO2:
- Standardwert (2,5 t/t): 175.000 EUR CBAM-Kosten (bei voller Anwendung)
- Anlagenspezifisch (1,8 t/t): 126.000 EUR
- Differenz: 49.000 EUR — das rechtfertigt den Aufwand der Datenerhebung leicht.
Wann werden Standardwerte verwendet?
- Wenn der Lieferant keine Emissionsdaten liefern kann oder will
- Wenn die gelieferten Daten die Verifizierung nicht bestehen
- Als Uebergangsloesung, bis anlagenspezifische Systeme aufgebaut sind
Wie Sie Standardwerte vermeiden
- Kontaktieren Sie Lieferanten proaktiv und erklaeren Sie den CBAM
- Stellen Sie Fragebögen zur Emissionsberechnung bereit (EU-Vorlagen nutzen)
- Bieten Sie Unterstuetzung bei der Datenerhebung an
- Setzen Sie Fristen fuer die Datenlieferung
- Bei Nichtlieferung: Alternative Lieferanten mit besserer Datenverfuegbarkeit suchen